Mein Schuldienst in Berlin
Ursula Sarrazin unterrichtete 35 Jahre als Grundschullehrerin, zuletzt im Berliner Westend. Eine Mobbing-Kampagne, zeitgleich zur Diskussion um den Bestseller ihres Mannes Thilo Sarrazin, führte dazu, dass sie im Sommer 2011 den Schuldienst quittierte. Ihr Buch ist eine Rückschau auf die Geschehnisse und zugleich ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Schul- und Bildungsdebatte. Sie prangert die haltlosen Zustände und Strukturdefizite in der Hauptstadt an und gewährt Einblick in den berüchtigten »Berliner Sumpf«.
»Meine konkreten Erfahrungen sagen klar, dass es im Berliner System eine Häufung negativer Erscheinungen gibt, und zwar in Bezug auf das gesamte Schulklima, welches ich nirgendwo so betulich, so wirklichkeitsabgewandt und unehrlich erlebt habe wie in Berlin. Alle Kollegen, die aus westdeutschen Bundesländern in das Berliner Schulsystem versetzt wurden, haben mir über gleiche Erfahrungen berichtet. Vor allem waren sie entsetzt über die allgemeine leistungsabgewandte Grundhaltung aller Beteiligten, und zwar der Eltern und der Lehrer gleichermaßen und infolgedessen auch der Schüler, die ja in dieser Beziehung nur ein Produkt ihrer Umwelt sein können. Sehr schnell war und ist man mit Begriffen wie Überforderung und Leistungsdruck zur Hand. Sie mussten dann auch herhalten, wenn mangelnder Fleiß zu geringen Leistungen führte.«
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